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Hommage zum 100. Geburtstag von Heimatpfleger Alois Wolf



 

Schliersee:

 

Alois Wolf, heißt der Mann, der nach den Wirren des zweiten Weltkrieges das Schlierseer Heimatmuseum wieder aufgebaut, liebevoll instand gesetzt und zu einem kulturellen Zentrum des Ortes gemacht hat.

 

Der Volksschullehrer und Ehrenbürger von Schliersee, würde am 16. März seinen 100. Geburtstag feiern – ein Grund, sein Lebenswerk in einer Sonderausstellung einem breiten Publikum zugänglich zu machen. Die Ausstellung ist vom 11. Mai bis 24. Oktober im Heimatmuseum zu sehen.

 

„Geboren im Königreich Bayern, gestorben in der vereinigten Bundesrepublik – ein bewegtes Leben in einer bewegten Zeit“, sagt Dr. Korbinian Leitner, promovierter Volkswirt, zweiter Vorstand des historischen Schlierseer Trachtenvereins, der die Ausstellung konzipiert und erstellt hat, über Alois Wolf.

 

Leitner ist ein wandelndes Lexikon, detailgetreu erzählt er aus Wolfs Leben und Schaffen. In der Ausstellung porträtiert er das Leben des Volksschullehrers in zwölf Textbannern, zu denen er anmerkt:  „alles ist belegt, nichts ist geschönt“.

 

 

Aufgewachsen ist Alois Wolf im Posthalteranwesen in Inning am Ammersee. Sein Vater, Posthalter und Metzger, ermöglichte ihm den Besuch des Luitpold Gymnasiums in München, wo Wolf sein Abitur ablegte. Zum Studieren reichte das Geld nicht, vier Jahre lang musste der junge Mann seinen Lebensunterhalt im Versicherungswesen verdienen bis er 1936 seine Lehrerausbildung beginnen konnte.

 

Im Jahre 1939 allerdings holten ihn die politischen Ereignisse ein: Er wird eingezogen, muss nach Frankreich, in den Balkanfeldzug und nach Russland, wo er seinen rechten Arm verlor. Ein Handikap, das sein Leben in vielerlei Hinsicht erschwerte – ihn aber nicht in seinem Ehrgeiz bremste.

 

 

Nichts Schlechtes ohne etwas Gutes – endlich darf Wolf unterrichten, er bekommt eine Stelle in der Volksschule Schliersee. Sein Glück währt jedoch nicht lange, bereits 1945 wird ihm die Berechtigung von den Amerikanern, die am 4. Mai in Schliersee einmarschiert sind, für zwei Jahre entzogen.

 

Er nützt die Zeit zum „Kühe hüten“ und: zum Heiraten. Mit seiner frisch angetrauten, Susanne Ashton, zieht er ins Schlierseer Radspielerhaus, von den Schlierseer Chorherren im 15. Jahrhundert erbaut – zeitglich mit dem Haus, in dem sich heute das  Heimatmuseum befindet.

 

Wieder in Amt und Würden macht sich Wolf als Lehrer für Knaben der Volks- und Hauptschule Schliersee bis heute einen Namen. Es wird erzählt, dass er für die damalige Zeit ein eigenwilliger Lehrer gewesen sei, der schon in den 60er Jahren fächerübergreifenden Unterricht praktiziert habe, ein Patriarch sei er gewesen, trotzdem beliebt, ein passionierter Musiker und Akkordeonspieler, trotz fehlendem rechten Arms: Den Blasebalg musste immer einer seiner Schüler ziehen.

 

1960 erhielt er einen Auftrag vom damaligen Bürgermeister, der seine weiteren Jahre ausfüllte und sein Lebenswerk werden sollte: Er sollte sich um das verwahrloste Heimatmuseum kümmern. In den Nachkriegszeiten war hierfür keine Zeit, das Museum wurde als Lagerhalle genutzt, Wiederaufbau war angesagt, für Kultur stand kein Geld zur Verfügung. Wolf machte sich gemeinsam mit einem Kreis engagierter Mitstreiter mit Akribie an die Arbeit, ließ das Gebäude aus dem 15. Jahrhundert wieder auferstehen und machte es langsam zu einem kulturellen Zentrum des Ortes.

 

Er war Heimat- und Denkmalpfleger – nicht im amtlichen, sondern im wahrsten Sinne des Wortes. Brauchtum, Tracht, Sprache – Dinge, die ihn faszinierten, vor allem die Zeit bis zur industriellen Revolution von 1840. Nie hatte er eine amtliche Funktion inne, alles was er unternahm geschah der Ehre wegen.

 

Öffnungszeiten: Heimatmuseum Schliersee, Lautererstraße 11. Mai bis 24. Oktober zu den Öffnungszeiten des Museums: Dienstag bis Freitag: 15 Uhr bis 17 Uhr, Samstag: 10 Uhr bis 12 Uhr. 27. Juni  bis 24. Oktober: Sonntag 10 Uhr bis 12 Uhr. Zusätzliche Öffnungszeiten: 1.,2., 8. und 9. Mai von 10 bis 12 Uhr.

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