Die Wiege des oberbayrischen Fleckviehs

Miesbach. Oberbayrisches Fleckvieh ist heute auf fast allen Weideflächen Deutschlands zu sehen und ging, so lässt eine Anzeige aus dem „Miesbacher Anzeiger“ von 1907 vermuten, sogar nach „Deutsch-Südwestafrika“. Die Wiege dieser ausgesprochen erfolgreichen Rasse geht auf die Fleckviehzucht in Miesbach zurück, genauer auf Max Obermaier und Johann Fischbacher aus Gmund am Tegernsee.
Aus der Chronik des "Zuchtverbandes für oberbayrisches Alpenfleckvieh Miesbach"
Am 25. August 1837 begaben sich die beiden o.g. auf den Weg in das 500 Kilometer entfernte Simmenthal im Berner Oberland, um von dort das prächtige Simmenthaler Vieh nach Miesbach zu holen. In Miesbach und Umland florierten seit Jahrhunderten Viehzucht und Viehhandel. Der Grund: Die Weiden, das Bergland und die Almen waren nur für die Viehzucht zu nutzen. Allerdings sollte es im Simmenthal Ochsen geben, die bis 30 Zentner schwer sein sollten. Gegenüber dem heimische Vieh mit fünf bis neun Zentnern Gewicht und wenigen Litern Milch am Tag brachten die neuen Simmthaler das doppelte. Ein neues Zeitalter der Miesbacher Viehzucht begann und zog Kunden aus ganz Deutschland an. Selbst Bismarck, der anlässlich seines 70. Geburtstages im Jahre 1885 fünf Kalbinnen und einen Zuchtstier für sein Gut Schönhausen bei Berlin als Geschenk erhält, ist voller Lob.
Die großen Zuchterfolge und der gute Absatz auf allen Viehmärkten führten dazu, dass sich die Viehzuchtgenossenschaften 1892 zum „Zuchtverband für Oberbayrisches Alpenfleckvieh Miesbach“ zusammenschlossen.
Der Zuchtverband heute
Auch heute bleibt der „Zuchtverband für oberbayrisches Alpenfleckvieh Miesbach“ seiner Geschichte der Superlative treu. Er ist, was die Finanzen betrifft, der umsatzstärkste Zuchtverband Deutschlands. Mit 30.000 bis 35.000 Kälbern im Jahr ist Miesbach der größte Fleckvieh-Kälbermarkt in Deutschland. Die Rassen des Zuchtverbandes entsprechen den hohen qualitativen Ansprüchen der Verbraucher, weil der Verband keine extreme Richtung bei der Zucht einschlage, erklärt Zuchtleiter Hans Gemmer. Extremzucht heißt unter anderem, wenn das Tier mit der Milchleistung überfordert ist oder wenn reine Fleischrassen nicht kalben können weil die Kälber so schwer sind. Natürlich spiele für die Qualität der Tiere auch die Alm- und Weideaufzucht eine große Rolle. Liest man die Almberichte, so stellt man erstaunt fest, dass das Jungvieh unter Bewegungsmangel, falsche, meist zu mastiger Ernährung leiden kann, was die Milchleistung und die Nutzungsdauer unter Umständen reduziere.
www.zuchtverband-miesbach.com