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Interview mit Rennrodlerin Natalie Geisenberger



Erschienen in der Printausgabe von "schöne zeiten" Nr. 10/Dezember 2007 bis April 2008

 

Miesbach. Natalie Geisenberger ist 19 Jahre alt und gehört bereits zu den großen Favoriten im Rennrodeln. Die sechsfache Junioren-Weltmeisterin und WM-Vierte in Igls im vergangen Jahr, hat sich bereits für den Weltcup in dieser Saison qualifiziert und ist Deutsche Meisterin geworden. Sie bewegt sich im Training wie im Wettkampf Augenhöhe mit Olympiasiegerin Silke Kraushaar, der Weltmeisterin Tatjana Hüfner und der Vizeweltmeisterin Anke Wischnewski, mit denen sie seit Kurzem auch in der deutschen Nationalmannschaft trainiert. 

 

Mit gerade mal 19 Jahren gehören Sie dem A-Kader der Nationalmannschaft an gelten als das Nachwuchstalent im deutschen Rennrodelsport. Wie gehen Sie mit dem Druck um?

Das setzt mich nicht unter Druck. Ich habe noch Zeit zum Lernen, Probieren und Trainieren. Klar ist es als „Küken“ in der Nationalmannschaft nicht ganz einfach, aber ich gebe mein Bestes und werde sehen, was dabei herauskommt.

 

Gibt es einen inneren Feind am Start?

Angst darf man da nicht haben. Das würde innere Blockade bedeuten. Und dann gibt man nicht alles.

 

Wie sind Sie zum Rennrodeln gekommen?

In der Grundschule wurde ein „Schnupperrodeln“ angeboten. Ich bin damals aktiv Ski alpin gefahren und dachte mir, ich probier das Rodeln einfach mal. Ursprünglich hat es mir aber wenig Spaß gemacht. Dann haben die vom Verein immer wieder angerufen und gefragt ob ich nicht doch noch mal mittrainieren will. Schließlich war es mein Vater, der mich überredet hat. Er hätte Rodeln noch nie „life“ gesehen. Ob ich nicht doch noch ein Mal herunterfahren könne?  Beim „Bayerischen-Zwergerl-Cup“ bin ich Fünfte von sechs geworden und habe auf Anhieb aber einen kleinen Pokal bekommen. Eventuell war dies das Ausschlaggebende, dass ich im folgenden Winter sowohl gerodelt als auch Ski gefahren bin und ein Jahr später sogar die Sportart ganz gewechselt habe. Heute bin ich sehr froh über meine damalige Entscheidung.

 

Warum ist es dann das Rennrodeln geworden?

Weil es schneller ist. Direkt auf dem Eis, das Spiel mit den Fliehkräften, die Geschwindigkeit – das hat seine Faszination.

 

Wie schnell rodeln Sie den Eiskanal herunter?

Im vergangenen Jahr in St. Moritz stellte ich meinen persönlichen Rekord auf: 136 Stundenkilometer.

 

Wie viel Zeit investieren Sie fürs Training?

In der Woche zehn bis zwölf Einheiten mit 2 bis 2,5 Stunden, bestehend aus Krafttraining, Koordination, Technik, Schnellkraft.

 

Georg Hackl ist Ihr Trainer. Ist er auch ihr sportliches Vorbild?

Er ist beides in einer Person. Er hat jedes Jahr aufs Neue wieder so viel erreicht. Bewundernswert. Man kann unheimlich viel von ihm lernen. Er gibt sein Wissen weiter, vorausgesetzt, man fragt ihn. Teilweise kommt er auch auf mich zu, sagt dann: Lass mal deinen Schlitten ansehen.

 

Was bedeutet für Sie Erfolg?

Motivation. Es gibt Leute, die ruhen sich auf ihrem Erfolg aus. Bei mir bewirkt es das Gegenteil. Ich trainiere dann noch mehr.

 

Denken Sie bereits an die Winterolympiade in Vancouver 2010?

Das ist mein nächstes großes Ziel. In Deutschland gilt im Rennrodelsport - zumindest bei den Damen -  alles, was schlechter als Platz drei ist, als nicht interessant. Das liegt daran, dass die deutschen Damen seit neun Jahren ungeschlagen den Sport dominieren. Das ist ein großer Druck, der von außen aufgebaut wird, was aber okay ist. Ich will dazu beitragen, dass diese Erfolgsgeschichte noch lange anhält!

 

 

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