Schauspieler Michael Ande

Zu Gast bei Prominenten:
Michael Ande - ein Kriminalassistent, der das Land liebt
Er ist der dienstälteste Ermittler im deutschen Fernsehen. Seit 1976 gehört er fest zur Crew des "Alten" im ZDF und unterstützt als Kriminalassistent Gerd Heymann seine Chefs. Zunächst Siegfried Lowitz als Hauptkommissar, dann Rolf Schimpf, seit zwei Jahren ist es Walter Kreye. Michael Ande ist in mehr als 350 Folgen ein vertrautes Gesicht geblieben. Er weiß auch nicht warum. Vielleicht, weil die Rolle ihm genug Möglichkeiten offen gelassen hat für andere Dinge? „Als Nummer Zwei hat man ein bisschen weniger zu tun als die Nummer Eins, man hat mehr Zeit“, versucht er eine Erklärung. Wenn es nach ihm geht, möchte er Kriminalassistent bleiben, solange die Serie läuft.
Wir treffen den Schauspieler in seinem Lieblingscafé in Bayrischzell, der Königslinde. Er liebt die Ruhe des Orts und den Ausblick auf die Berge. Mit dem Motorrad ist der 65-Jährige von seinem Zuhause in Schliersee herübergefahren, in Sport-Fleece und Motorradhose sitzt er entspannt bei einer Tasse Tee. Er hat Drehpause, eine weitere Folge des Alten ist gerade im Kasten. Die wievielte es war? Er weiß es nicht. Jetzt hat er jedenfalls erst einmal 14 Tage frei. Doch zehn Tage davon braucht er für die Vorbereitung des nächsten Drehs.
An ungefähr 100 Tagen im Jahr ist er am Set, meistens in München, manchmal aber auch in Rosenheim oder in Murnau. Das sind die Zeiten, bei denen das Team dann auch am Abend noch bleibt und nicht, wie von München aus üblich, nach Hause fährt. Michael Ande mag es mit den Kollegen zusammenzusitzen. Er ist ein geselliger Mensch, der aber auch gerne zuhause ist mit seiner Familie. Der im Haushalt hilft, gerne staubsaugt und am Haus repariert, was zu reparieren ist.
In Schliersee ist es nichts Außergewöhnliches, ihn beim Spazierengehen mit seinem Hund oder auch in einem Wirtshaus zu treffen. Erkannt und angesprochen zu werden, stört ihn nicht. Freundlich und geduldig lässt er sich auf ein Gespräch ein.
Im Café dauert es nicht lange, bis zwei Rentnerpaare aus Oschersleben am Nachbartisch auf ihn aufmerksam werden und ihn ansprechen. „Wir haben Sie schon gesehen, da waren Sie noch ganz klein“, berichten sie sie freudestrahlend. „Wenn die Glocken hell erklingen“ hieß der Film, an den sie sich spontan erinnern. 1959 war das. Ande war schon ein Kinderstar, nachdem er 1955, mit elf Jahren, die Hauptrolle in der deutsch-französischen Kino-Produktion „Marianne, meine Jugendliebe“ gespielt hatte. Schon als kleiner Junge war er in der Kinderstunde des Bayerischen Rundfunks aufgetreten, seine musikalische Begabung hatte er als Wiener Sängerknabe im Film „Ich weiß, wofür ich lebe“ bewiesen. Er spielte in Abenteuer- und Heimatfilmen mit. Bis heute wird er auf den international erfolgreichen Fernseh-Vierteiler „Die Schatzinsel“ aus den 1960ern angesprochen, der vor Kurzem erst auf DVD erschienen ist. Im Bayerischen Fernsehen war er in der Serie „Zur Freiheit“ von Franz Xaver Bogner zu sehen. Und zwischendurch stand er immer wieder auf Theaterbühnen und machte sich einen Namen als Theaterschauspieler.
Michael Ande ist kein Stadtmensch, sein Zuhause ist bis heute das Alpenvorland geblieben. In Bad Wiessee geboren und hauptsächlich in München aufgewachsen, hat er die Liebe zum Land bewahrt und lebt seit Langem in Schliersee. Hier findet er die Erholung und Distanz zu seinem Beruf. Er läuft gerne Ski, fährt gerne Mountainbike - und natürlich Motorrad. Und deshalb startet er auch nach dem Gespräch in der Königslinde mit seiner Triumph noch zu einer kleinen Tour Richtung Kufstein.