Zu Gast bei Prominenten: Ludwig Weinmayr und sein Gespür für Pferde
Die Reportage entstand im Frühjahr 2008
Fischbachau Wenn Ludwig Weinmayr mit seinem Vierspänner während eines Turniers durch einen Hindernisparcours jagt, dann erinnert das an antike Wagenrennen, bei denen der Wagenlenker in halb stehender Position kühn die Peitsche schwingt und seine vier Pferde souverän bei hohem Tempo ins Ziel führt.
Der Fahrsport, den Ludwig Weinmayr betreibt, ist eine Form des Pferdesports.
Es gibt Turniere, Ländervergleiche, nationale Meisterschaften und Weltmeisterschaften. Zwei oder vier Pferde werden vor einen Wagen gespannt und Turniere in den drei Disziplinen Dressurfahren, Marathon und Hindernisfahren bestritten.
Wie beim Reiten muss das Gespann vorgeschriebene Dressuraufgaben absolvieren. Es wird auf stilechte Kleidung und Equipage geachtet. Bei der Disziplin Marathon legen die Zwei- und Vierspänner längere Distanzen mit einem so genannten, 600 Kilogramm schweren Marathonwagen zurück. Hindernisse müssen unterwegs bewältigt werden. Beifahrer stabilisieren den Wagen durch Gleichgewichtsverlagerungen vor allem in Kurven, in die mit hohem Tempo hineingegangen wird.
Ludwig Weinmayr ist im Leitzachtal auf einem Hof, der auf einer Anhöhe unterhalb des Schwarzenbergs liegt, zuhause.
Der passionierte Vierspannfahrer gehört dem deutschen Championatskader an, was dem A-Kader, also der Nationalmannschaft in anderen Sportarten entspricht. Die Liste seiner Erfolgsbilanz ist lang. Bei Weltmeisterschaften belegte er im Vierspännerfahren vordere Plätze, sicherte sich den Titel „Deutscher Meister“ und gehörte bei allen namhaften Turnieren zu den Favoriten.
Für seine Trainingsfahrten im Gelände spannt er nur zwei Pferde vor den Wagen. Die Pferde müssen in allen Positionen trainieren, um herauszufinden, für welche sie sich am besten eignen, erklärt Weinmayr. Die Feldwege sind schmal, im Wald geht es auf holprigen Wegen steil bergab. Die beiden Turnierpferde sind kaum zu bremsen. Die beiden Wallache Floran und Donazetti, beide Jahrgang 1998, sind ausgezeichnet trainiert und wollen zeigen, was in ihnen steckt.
Wer mit Weinmayr unterwegs ist, kann allerdings Vertrauen haben: Seit neun Jahren schon wird er in den Championatskader der FN berufen. Auf diese Leistung ist er stolz: „In den Championatskader zu kommen ist das eine. Über so lange Zeit konstant die Leistung zu halten, das andere.“
Sechs Stunden müssen die Pferde am Tag trainieren. Dazu gehört ein Hindernisparcours, der sich auf einen der Wiesen, in Nähe seines Hofes befinden. Der Parcours besteht aus Holzbalken, die in engen Winkeln mit geringfügigem Abstand zueinander platziert sind. Kaum vorstellbar, dass dort ein Viergespann durchkommt.
„Das ist meine Spezialdisziplin“, ruft Weinmayr aus und zeigt, dass es geht: Er wendet den Zweispänner, praktisch auf der Stelle. Das ist möglich aufgrund der besonderen Kutschenkonstruktionen. Sie zeichnen sich durch technische Raffinessen, wie Drehkranzbremsen, aus. „Im Durchschnitt fährt ein Vierspänner im Turnier 40 Stundenkilometer“, erklärt Weinmayr.
Wie kommt einer, der auf einem Bauernhof aufwächst, ausgerechnet zum Fahrsport?
Mit fünf Jahren habe es angefangen, erinnert er sich. „Wir hatten Pferde, allerdings nicht zur Gaudi, sondern für die Arbeit.“ Er habe als kleiner Bub ein Pony geschenkt bekommen, sich selber einen Wagen zusammengenagelt und sei damit herumgefahren.
„Fahren ist wie eine Sucht. Jeden Tag mit den Pferden zu arbeiten, macht mich glücklich.“
Förder- und Sponsorengelder fließen in diesem Sport spärlich. Als Mitglied im Championatskader erhält er monatlich lediglich 200 Euro Sportbeihilfe. Ein Turnierpferd kostet um die 10 000 Euro. Zehn Turnierpferde stehen bei ihm im Stall, neun davon sind für Wettkämpfe qualifiziert. „Leben kann man davon nicht“, sagt er. „Aber ich bin stolz darauf, so viele Jahre ohne Reichtümer in diesem Sport an der Spitze dabei zu sein.“
Sein nächstes Ziel ist die Weltmeisterschaft der Vierspännerfahrer 2008 in Marienwaerdt in den Niederlanden. Die Chancen für die Qualifizierung zur WM stünden gut.
Für die kommende Weltmeisterschaft wünscht sich Weinmayr für die deutsche Mannschaft endlich Gold. Und ein weiteres Ziel ist, im Weltcup mitzufahren. Weinmayr gehört neben dem Holländer Ysbrand Chardon, dem Schweden Thomas Eriksson, dem Deutschen Christoph Sandmann sowie dem Schweizer Werner Ullrich zu den Favoriten.
Werner Ullrich ist seit kurzem sein Trainer. Es sei üblich im Fahrsport, dass Konkurrenten sich und ihre Pferde gegenseitig trainieren. Weinmayr selbst ist Trainer des Österreichers Karl Cwornek. Nur die zehn besten Vierspännerfahrer der Welt nehmen am Weltcup teil. In den letzten Jahren zog das Glück knapp an ihm vorüber: Bei Qualifikationsrennen belegte er jedes Mal den elften Platz. Unter die ersten zehn hätte er kommen müssen.
Dabei gehe es, wie in anderen Sportarten auch, lediglich um hundertstel Sekunden, und das auf sieben Hindernisse gerechnet, gibt er zu bedenken.