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China am Schliersee

China am Schliersee

Susanne Hornfeck übersetzt große Autoren ins Deutsche

 

Als sie vor kurzem von einer Lesereise durch Chinas Großstädte ins heimische Schliersee zurückkehrte, da fiel es ihr wieder richtig auf, wie schön es zuhause ist und wie gut die Luft auf dem Land tut.

 

Susanne Hornfeck lebt und arbeitet seit bald 20 Jahren in einem alten Bergarbeiterhäuschen nicht weit vom See.

 

Sie liebt die Ruhe und das Wasser und ist mit ihren Gedanken doch oft weit weg, in China und in Taiwan. Sie lehrte fünf Jahre lang als Dozentin für deutsche Sprache und Literatur an der National Taiwan University in Taipeh, ehe sie in das Elternhaus von ihrem Mann, dem Grafiker Günter Hornfeck, nach Schliersee zog. Hier hat sie sich als Übersetzerin einen Namen gemacht.

 

Aus dem Englischen hat sie gerade Timothy Garton Ashs Reportagen-Sammlung „Jahrhundertwende“ ins Deutsche übertragen. Und auch der jüngste Chinakrimi von Qiu Xiaolong, in dem Oberinspektor Chen seinen sechsten Fall löst, trägt wieder ihre deutsche Handschrift.

 

Sie hat Sachbücher über chinesische Hausmittel und die chinesische Küche geschrieben. Ihren ersten eigenen Roman hat sie vor drei Jahren veröffentlicht, auch er hat Bezug zu Ostasien.

 

„Ina aus China“ ist ein Jugendbuch, das auf einer wahren Geschichte beruht, die während des Zweiten Weltkriegs spielt. Ein chinesisches Mädchen wird aus dem japanisch besetzten Shanghai zu einer deutschen Familie in Sicherheit geschickt, muss das Land aber bald wieder verlassen.

 

Dem Buch passierte, was einem deutschsprachigen Buch nur selten passiert: Verlage in Taiwan und in China interessierten sich dafür, nun liegt es gleich in zwei chinesischen Fassungen vor und kann in beiden Sprachräumen gelesen werden.

 

Aus „Ina aus China“ hat Susanne Hornfeck auch auf ihrer Lesereise kürzlich in Goethezentren und Schulen vorgetragen. Sie wurde immer wieder nach dem Schicksal von Inas deutscher Freundin im Buch gefragt, die mit ihren Eltern nach Shanghai emigrierte. Nun schreibt sie an einer Fortsetzung, die Ende des Jahres in die Buchhandlungen kommen soll.

 

Susanne Hornfecks Arbeitszimmer im Bergarbeiterhäuschen ist klein und gemütlich. Von ihrem Schreibtisch aus hat sie durch zwei kleine Fenster einen wunderbaren Blick auf die bayerischen Alpen, auf Brecherspitz und Jägerkamp, Huberspitz und Kreuzberg.

 

Um neun Uhr morgens beginnt sie meistens zu schreiben, macht über Mittag Pause und setzt sich am Nachmittag nochmal dran. So kommen im Schnitt fünf Stunden täglich zusammen.

 

Am liebsten hat sie es, wenn Nachbars Kater Max auf der Liege neben ihr schnurrt und klassische Musik den Raum erfüllt. Die Mittfünfzigerin mag das ruhige Arbeiten und braucht keinen Umtrieb. Monatelang sitzt sie oft an der Übersetzung eines einzigen Buches und ärgert sich dann, wenn das Werk in den Medien gut besprochen, die Übersetzerin aber mit keiner Silbe erwähnt wird. „Das schmerzt“, gibt sie unumwunden zu. „Aber es hindert mich nicht daran, meinen Beruf zu mögen.“

 

Wie sehr ihre Arbeit anerkannt ist, zeigt die Ehrung mit dem renommierten C.H.Beck Übersetzerpreis.

 

Wenn sie eine Schreibpause braucht, geht sie gerne in ihren Garten und werkelt. Man trifft sie im Ort beim Bäcker, bei der Post, am Abend auch bei der Gymnastik des Turnvereins. Hin und wieder fährt sie mit der BOB nach München ins Theater. „Man ist in drei Minuten am See und in 50 Minuten in der Stadt, das ist ideal hier“, sagt sie. Und ein krasser Gegensatz zu Chinas Großstädten.

 

Text: Suse Bucher-Pinell

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