Die evangelische Heilig Geist Kirche in Bayrischzell

Die evangelische Heilig Geist Kirche in Bayrischzell
Inmitten von Bayrischzell, am Kranzer, umgeben von Tannen und Fichten, befindet sich die Heilig Geist Kirche. Ein evangelisches Gotteshaus in einem 1 500 Einwohner zählenden, überwiegend katholischen Ort erscheint auf den ersten Blick ungewöhnlich.
Bis zum Jahre 1904 war Bayrischzell in der Tat ein rein katholischer Ort, heißt es in der Bayrischzeller Chronik, verfasst von Michael Meindl. Doch dann siedelte sich der evangelische Arzt Dr. Christian von Mengershausen mit seiner Familie in Bayrischzell an und baute das Anwesen Tannerhof zu einem Sanatorium um, das heute noch von der Familie geführt wird.
Mit Christian von Mengershausen kam Personal aus Norddeutschland und ebenso Patienten. Die waren evangelisch. Nach dem ersten Weltkrieg setzte „der große Fremdenzustrom ein, der vor allem wieder gerade norddeutsche Evangelische nach Bayrischzell brachte“, ist in der Chronik zu lesen. Im zweiten Weltkrieg wuchs die evangelische Gemeinde in Bayrischzell, da viele Münchener evakuiert wurden. Nach dem Krieg kamen Flüchtlinge hinzu, unter ihnen der aus Schlesien stammende Pfarrer Wilhelm Rauch.
Noch bevor die Evangelisch-Lutherische Kirche eine Pfarrstelle in Schliersee-Neuhaus einrichtete, zu der auch Bayrischzell gehörte, wurde der Grundstein für die evangelische Kirche in Bayrischzell gelegt, und zwar am 27. Juni 1954.
Die Kirche stiftete mit einem Betrag von 80 000 Euro die amerikanische Wooden-Church-Gesellschaft, gegründet von Hennig Royk-Lewinski, der eine familiäre Beziehung zu Bayrischzell hatte.
Architekt Hans Schuhmann aus Neuhaus (Schliersee) plante den Kirchenbau.
Markant ist der nach vorn offene Turm, dessen Gestaltung er der Waldumgebung angepasst hat. Modern und schlicht und gleichzeitig ein Zeugnis hohen handwerklichen Könnens ist die Innenausstattung. Das Taufbecken schuf der Fischbachauer Künstler Markus Bernrieder.
Am 5. Juni 1955 wurde die Heilig-Geist-Kirche mit einem großen Festakt eingeweiht. Heute sind im Kirchenraum Bilder der Bayrischzeller Künstlerin Tutti Gogolin zum Thema „Kunst und Passion“ zu sehen.
Derzeit leben in Bayrischzell 179 evangelische Gemeindemitglieder. Noch heute bereichern die Gäste des Sanatoriums Tannerhof und die Urlauber den Gottesdienstbesuch, sagt Pfarrerin Melanie Striebeck. Die Kirche werde außerdem gern von Münchnern für Hochzeiten und Taufen genutzt.
In der Urlaubshauptsaison, in den Monaten Juli bis September, sendet die Landeskirche zusätzlich Urlaubspfarrer und Kurkantoren in die Region.
Entsprechend gibt es an den Bedürfnissen der Urlauber ausgerichtete Angebote wie Berggottesdienste, Familiengottesdienste am Campingplatz, Orgelkonzerte und Programme für Kinder und Jugendliche.
Im Frühjahr stellt die evangelische Kirche ihr neues Konzept für die Seelsorge der Urlauber in der Region Schliersee vor.