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Von Fischbachau nach Vancouver und zurück



Zum Holzsammeln ins Indianerreservat


Fischbachau Er hat etwas von Meister Eder, nur ohne Pumuckl. Wenn Karl Hartmuth aus dem Ortsteil Hammer in Fischbachau in seiner Werkstatt sitzt und erzählt, dann wirkt er wie der beliebte Schreiner aus der TV-Serie. Ganz ruhig berichtet er von seinen Abenteuern in Kanada. Er erzählt von Bären und Adlern, Seen mit klarem Wasser oder der Ruhe in der Wildnis. Die Hände verschränkt er dabei vor seiner Latzhose, die Mütze sitzt schief auf dem Kopf und wenn der 68-Jährige lacht, dann ist das herzlich und ansteckend.


Häuser aus Pappeln

Karl Hartmuth ist Bastler und Abenteurer. Sein Material ist Holz aus Kanada. Er importiert es selbst. Vor ein paar Jahren waren es noch Wurzeln. In Taschen und Kartons kamen sie im Reisegepäck nach Deutschland. Dort verarbeitete er sie zu Vogelhäusern und hängte sie an die Werkstattdecke. Seit knapp einem Jahr hat Karl Hartmuth ein neues Hobby für sich entdeckt. Jetzt sammelt er Rinden von Pappeln. Daraus entstehen kleine Häuser, die in die Rinde geschnitzt werden. „Das Holz der Pappel ist perfekt. Die Rinden sollten mindestens einen Durchmesser von 15 Zentimetern haben“, erklärt der Abenteurer, die Länge ist egal. Um die kleinen Kunstwerke zu fertigen, sind nur wenige Werkzeuge nötig. Allerdings ist viel Feingefühl für die kleinen Schnitzereien erforderlich. Gearbeitet wird von oben nach unten, das Dach ist immer der erste Teil. Am Ende folgt Lack und eine Schicht Bienenwachs. Fertig ist das Schmuckstück.


Die Jagd nach der richtigen Rinde

Am Flughafen von Vancouver grinst das Personal schon, wenn der Bastler aus Bayern wieder in die Heimat fliegt. Er nutzt sein Freigepäck bis auf das letzte Gramm. Alle Rinden hat er dann sorgfältig verpackt, damit auf der Reise nach Deutschland kein Schaden am Material entsteht. Was am Flughafen keiner weiß, ist die Geschichte, die zu dem kanadischen Holz gehört. Denn die Rinden wurden am Chilko Lake gesammelt. Der liegt 700 Kilometer vom Flughafen entfernt. Im Ts´yl-os Park, einem Reservat der Indianer, ist der Bastler dann für mehrere Wochen unterwegs. Der See ist über 100 Kilometer lang, nur wenige Menschen sind hier unterwegs. „Dafür läuft mir manchmal ein Grizzly über den Weg“, erzählt Karl Hartmuth lachend. Die Rinden schält er mit der Axt von umgefallenen Bäumen, die der Bayer bei seinen Wanderungen findet. Trocken muss der Baum liegen und die Ameisen dürfen nicht in seiner Nähe sein. Sonst ist die Rinde wertlos.


Neue Ideen

Langweilig wird dem kreativen Bastler nicht, denn die Ideen stehen Schlange an seiner Haustüre. Seit ein paar Wochen hat er Totempfähle für sich entdeckt, einen hat er bereits fertig. Seine ganze Lebensgeschichte hat Karl Hartmuth, nach altem Brauch der Indianer, in den Stamm geschnitzt. Allerdings musste er das gute Stück, das eine Höhe von rund drei Metern hat, in Kanada zurücklassen. Denn als Handgepäck wäre das Kunstwerk sicherlich nicht im Flugzeug transportiert worden.


Text: Alois Pribil

 

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