Einst Kloster heute Rathaus
Fischbachau
Einst Kloster heute Rathaus
Von außen erscheint der frühere „Prälatenstock“ in der Ortsmitte von Fischbachau gegenüber dem Martinsmünster als mächtiger Baukörper, der nur zur Hauptstraße hin offen ist. Früher diente dieser große Gebäudekomplex lange Zeit den Mönchen des Benediktinerordens als Kloster und Herberge sowie als Erholungsstätte für kranke Ordensangehörige. Heute „residieren“ hier die Ratsherren und der Bürgermeister.
Aufbau
Im Erdgeschoss befindet sich eine der schönsten Gästeinformationen der Region und in deren Nachbarschaft das Klosterstüberl. Es dürfte selten sein, dass eine relativ kleine Gemeinde wie Fischbachau einen so großen Sitzungssaal von rund 150 Quadratmetern besitzt. Ebenfalls im ersten Stock des Querbaus befindet sich der Klostersaal, der für Konzerte und Vorträge sowie andere Veranstaltungen genutzt wird.
Bis zum Jahr 1973 befand sich das Rathaus am Anfang der Birkensteinstraße. Früher befanden sich im jetzigen Klosterstüberl die Räumlichkeiten des Staatlichen Forstamtes, das 1982 nach Schliersee umzog, wo es sich noch heute befindet.
Bereits im Mai 1987 feierte Fischbachau sein 900-jähriges Bestehen mit einer einwöchigen Festwoche. Die Anfänge der Wendelsteingemeinde gehen wahrscheinlich auf Besitzungen zurück, die das Bistum Freising um 800 in dieser Gegend erwarb.
Belegt ist jedenfalls, dass der Bischof Meginward um das Jahr 1085 ein Gut in „Vischpach“ der Gräfin Haziga zur Gründung eines Klosters übereignet hat. Die Mönche kamen damals laut Überlieferung von „Zell“, dem heutigen Bayrischzell. Dort hatte sie bereits 1077 ein kleines Kloster gegründet und dieses mit jeweils zwölf Mönchen und Laienbrüdern besetzt.
Auf dem neu erworbenen Gut in Fischbachau ließ die Gräfin dann mit Erlaubnis des Bischofs eine Kirche erbauen: die „Vorläuferin“ für die heute noch auf dem Friedhof stehende Kirche „Maria Schutz“. Die Mönche errichteten um die Jahrhundertwende 1100 in mühevoller Handarbeit das Kloster und das prächtige „Martinsmünster“. Diese mächtige Kirche ist die älteste noch bestehende „Hirsauer Kirche“ auf bayerischem Boden und hat bis heute ihre Grundstruktur erhalten.
Der Kurort Hirsau im Schwarzwald war im 11. und 12. Jahrhundert Mittelpunkt der sich in Deutschland damals sich verbreitenden Reformbewegung auf dem Gebiet der Klöster.
Im Dezember 1492 brannten nachts das Kloster und die Kirche nieder; Glocken, Messbücher, Ornate und sehr viele wertvolle Bücher wurden ein Raub der Flammen. Wer danach das Kloster wieder aufbaute, ist unbekannt.
Weitere Informationen unter www.fischbachau.de .
Text: Günther Ehrhardt
Fotos: Alois Pribil