Instrumentenbauer und Musicus
Bayrischzell
Franz Acher: Instrumentenbauer und Musicus aus Leidenschaft
Ein Künstler ist er, der Acher, Franz, seines Zeichens „Metallblasinstrumentenmacher“ aus Bayrischzell. Zimmermann wollte er eigentlich als junger Bursche werden, „da hat es aber schlecht ausgeschaut mit Ausbildungsplätzen“, sagt er. Deshalb verarbeitet der 41-Jährige heute feines goldglänzendes Blech zu Blasinstrumenten oder repariert und restauriert diese liebevoll.
Seine Arbeit ist seine Leidenschaft, die Liebe zum Musizieren wurde ihm in die Wiege gelegt.
Sein Vater war Musikmeister und er selber spielt in vier verschiedenen Kapellen Flügelhorn, Trompete, Tuba oder Akkordeon.
Lehrzeit
Seine dreijährige Lehrzeit verbrachte er in Altperlach, in einem kleinen Betrieb, in dem er mit allen Fertigkeiten der Metallblasinstrumentenmacher vertraut gemacht wurde. „Als Geselle kannst’ aber noch gar nix“, schmunzelt Acher. Minimum sechs Jahre seien nötig, bis man in alle Fertigkeiten des Instrumentenbaus eingeweiht sei und „selber was gescheites machen kann“.
Geschichte des Berufsstandes
Die Geschichte seines Berufsstandes geht bis weit in die Bronzezeit zurück. Die ersten Instrumente, die nach dem Prinzip der Blechblasinstrumente geblasen wurden, dürften Tierhörner gewesen sein.
Lange Zeit war die Herstellung der Blechblasinstrumente die Domäne der Schmiede – und auch heute noch gehört eine Reihe von unterschiedlichen Fertigkeiten zum Berufsbild des Metallblasinstrumentenmachers: löten, drehen, schmieden und polieren.
Es ist ein langer Weg, bis aus einem Stück Blech ein fertiges Blasinstrument wird. Um die 60 Stunden Handarbeit braucht es, bis beispielsweise eine Trompete in Aktion gehen kann – Kostenpunkt für solch ein edles Stück: stolze 2.500 Euro, „mehr als zwölf Mal soviel wie ein maschinell gefertigtes Teil aus dem Supermarkt“.
Verarbeitung
Am Anfang ist immer das Blech. Acher verwendet Tombakblech, eine spezielle Sorte, bei der der Kupferanteil relativ hoch ist: „Dann halten die Instrumente länger“. Dieses Blech wird zu einem Rohr geformt, bei 900 Grad „hart“ gelötet und in die richtige Form gebracht – damit ist die „Hardware“, der Corpus, die äußere Form fertig gestellt. Jetzt geht’s um die Töne – hierzu fertigt der Meister per Hand den sogenannten Maschinenstock an – dies ist das Teil, an dem die Ventile sitzen.
Die Ventile verändern die Länge des Rohres und lassen die unterschiedlichen Töne entstehen – damit der Musiker die Zwölftonleiter rauf und runter spielen kann. Für die Reinheit der dem Instrument entlockten Töne, sind dann die spitzen Lippen des Bläsers verantwortlich – somit wird der Mensch selber zum Teil des Instrumentes.
Seine Aufgaben
Im letzten Jahr habe er „seit langem mal wieder ein Flügelhorn gebaut“, seine Hauptaufgabe jedoch seien Reparaturen, für die „viel Kreativität und Inspiration“ notwendig seien. Reich wird er damit nicht, oft steht der Aufwand der Reparatur in keinem Verhältnis zu dem Betrag, den er in Rechnung stellen kann. „Reparaturen sind oft viel schwieriger als der Neubau von Instrumenten“. Er sei halt ein Kreativer, ein Künstler schon fast und „kein ‚Teileauswechsler’“, betont der charmante, urige Musicus“.
Text: Evi Schrenck
Fotos: Nursen Özlükurt